Der Gedenkstein

Ein Gedenkstein will über die Erinnerung hinaus über Leidvolles gegen das Vergessen ankämpfen. Deshalb hatte der ehemalige „Münchener Bürgerverein e.V.“ die Initiative ergriffen und 1997 bei der Münchener Stadtverwaltung den Antrag gestellt, für die über 100.000 Königsberger, die nach der Kapitulation am 09.04.1945 auf unmenschliche Art und Weise umgekommen sind, einen Gedenkstein zu errichten.

Alsbald kam von der Münchener Stadtverwaltung die Antwort und erteilte dem Münchener Bürgerverein die Zusage, dass kostenlos ein wunderschöner Platz auf dem Waldfriedhof zur Verfügung gestellt wird. Auch die Pflege und Sauberkeit der Anlage wird von den Städtischen Friedhöfen München übernommen.

Der Münchener Bildhauer Prof. Georg Rauwolf erklärte sich bereit, kostenlos einen Gedenkstein zu errichten, lediglich die Materialkosten in Höhe von 70.000 DM des Gedenksteins wollte er vergütet haben. Dieser Betrag wurde durch Spenden bezahlt.

Der Gedenkstein stellt eine in den Stein gehauene Frauengestalt dar, die aufrecht und ungebrochen, aber von Hunger und Entsetzen gezeichnet, in abwehrender Haltung sich und ihr Kind zu schützen sucht. Mit einer Höhe von 2,70 m stellt dieser Stein in seiner künstlerischen Gestaltung das Gedenken würdig dar.

Am 09.04.1998 (also 53 Jahre nach der Kapitulation von Königsberg) fand auf dem Münchener Waldfriedhof eine würdige Einweihungsfeier mit über 250 Personen zunächst in der Aussegnungshalle statt, um all der Toten ohne Grabstätte in einer Feierstunde zu gedenken. Viele kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland, zumeist Angehörige von Betroffenen, selbst Überlebende des großen Sterbens waren zugegen.

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Eingeweiht wurde diese Gedenkstätte in einer feierlichen Zeremonie am 09.04.1998.

Im Anschluss an die Feier nahm Pfarrer i. R. Schulz-Sandhof die Einweihung des Denkmals vor: „Der Stein, den wir heute der Öffentlichkeit übergeben und der nächsten Generation zur Obhut anvertrauen, ist ein Denk-Mal im eigentlichen Sinne des Wortes. Er erinnert daran, wozu der Mensch fähig ist. Es stimmt etwas nicht mit den Menschen: Flucht und Vertreibung, Erniedrigung und Mord, so wie es die Bürger Königsbergs in den Jahren 1945 bis 1948 kennengelernt haben, sind dafür ein Zeichen. Menschen haben sich in unbegreiflicher Bosheit ausgetobt. Der Mensch wurde demaskiert."

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