Für die Toten von Königsberg

 

aus „Das Ostpreußenblatt, 28. Juni 1997, Seite 16

 

 

München - Wir Ostpreußen wissen wohl alle um das grausame Schicksal unserer Landsleute in Königsberg in den Jahren 1945 bis 1948. Mindestens 130 000 Menschen waren eingeschlossen, konnten nicht mehr fliehen, sie waren den sowjetischen Besatzern ausgeliefert. Schließlich wurden bis 1948 noch etwa 25 000 Überlebende ausgewiesen, mehr als 100 000 kamen in diesen Jahren elend um, durch Hunger, Krankheiten und sonstige schlimme Folgen der sowjetischen Besatzung. Diese unsere Toten, verscharrt, ohne Grabstätte, dürfen nicht vergessen werden. Ihnen gebührt eine würdige Gedenkstätte. Der Münchner Bürgerverein, dessen Vorsitzender Königsberger ist, hat sich die Aufgabe gestellt, eine solche Gedenkstätte zu schaffen. Dazu wurde der Münchner Bildhauer-Künstler Georg Rauwolf gewonnen, der ein solches Mal entworfen hat, das er wie folgt schildert: „In einem großen Steinblock (Muschelkalk) - ca. 110/70/ 270 - eine tiefe, dunkle Öffnung, wie eine aufgerissene Tür. Darinnen, aus dem Stein gehauen, eine Frauengestalt, vor Entsetzen starr, den Schrecken im Gesicht, den rechten Arm zur Abwehr vor dem Kopf, den anderen Arm hält sie schützend vor ein neben ihr stehendes, verängstigtes Kind." Schriftzug auf der Vorderseite: „Königsberg (Pr) 1945-1948. Unseren 100.000Toten." Dazu das Stadtwappen. Georg Rauwolf, ein bekannter Künstler alter Schule, wird das Mal zu Eigenkosten schaffen, die bei 70 000 DM liegen werden. Die Münchner Behörden unter Oberbürgermeister Ude (SPD), haben dem Antrag des Münchner Bürgervereins stattgegeben und einen wunderschönen Platz auf dem Münchner Waldfriedhof kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch Pflege und Wartung werden von der Stadt übernommen. Dafür danken wir herzlichst. Liebe Landsleute, nachdem die zunächst schwierigste Hürde glatt genommen werden konnte, nämlich die Genehmigung, bedarf es der Mithilfe aller Geschichtsbewußten, um auch die zweite Hürde zu schaffen. Hier in der Öffentlichkeit entsteht auf Dauer neben dem Gedenken an unsere Toten ein Hinweis auf ein geschichtliches Deutsches Kapitel dieses Jahrhunderts, das, vielen Deutschen unbekannt, nicht vergessen werden darf. Das Mal stellt gleichsam für die Dauer eine künstlerische Bereicherung Münchens, bzw. des Waldfriedhofes dar. Die Schirmherrschaft hat die „Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen" übernommen.

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